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Süßstoffe und Stoffwechsel – Risiko oder Werkzeug?

  • 2. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit
Infografik mit Titel „Süßstoffe & Stoffwechsel – Risiko oder Werkzeug?“ im wissenschaftlichen metFlex RESET Design
Süssstoffe - Risiko oder Werkzeug

Was bisher bekannt war

Light-Produkte gelten für viele als einfache Lösung: weniger Zucker, weniger Kalorien – also gesünder? Ganz so einfach ist es nicht.

Studien zeigen seit Jahren, dass Süßstoffe wie Sucralose oder Saccharin nicht nur süß schmecken, sondern auch biochemische Prozesse im Körper aktivieren, die über den Geschmack hinausgehen.

  • Sucralose kann im Gehirn jene Regionen aktivieren, die mit Appetit und Hungersteuerung zusammenhängen.

  • Saccharin verändert die Zusammensetzung der Darmflora, was wiederum den Glukosestoffwechsel beeinflusst. Unklar ist, welche Auswirkung die Veränderung hat.

  • In manchen Fällen wurde eine veränderte Glukosetoleranz beobachtet – also eine weniger stabile Blutzuckerreaktion nach Mahlzeiten.

Das zeigt: Nicht jeder reagiert gleich. Genetik, Mikrobiom, Ernährungsweise und Stresslevel beeinflussen, wie der Körper auf Süßstoffe reagiert.

Neue Erkenntnisse aus Australien

Eine neue Langzeitstudie aus Australien brachte 2024 Bewegung in die Diskussion. Über 11 Jahre wurden mehr als 4.000 Erwachsene beobachtet – mit einem erstaunlichen Ergebnis:

Light-Getränke standen mit einem höheren Risiko für Typ-2-Diabetes in Verbindung – teilweise stärker als zuckerhaltige Getränke.(PubMed-Studie ansehen)

Die Forschenden vermuten mehrere Erklärungsansätze:

  • eine veränderte Insulinsensitivität,

  • Veränderungen der Darmflora,

  • und kompensatorisches Essverhalten (mehr Essen nach Süßstoffkonsum).

Wichtig: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie, sie zeigt Zusammenhänge, keine Kausalität. Aber das Signal ist klar: Süßstoffe sind nicht neutral – ihr Effekt hängt stark von Menge und Kontext ab.


Warum Studien widersprüchlich sind

Die Forschung zu Süßstoffen ist komplex – und genau das erklärt, warum Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.

Unterschiede bestehen in:

  • Süßstoff-Typ: Sucralose, Aspartam, Acesulfam-K oder Stevia wirken biochemisch verschieden.

  • Dosierung: Viele Studien nutzen unrealistisch hohe Mengen.

  • Studiendauer: Akutstudien über Stunden liefern andere Ergebnisse als Langzeitdaten über Jahre.

  • Teilnehmerprofil: Gesunde, Übergewichtige, Diabetiker oder Sportler reagieren unterschiedlich.

Die Quintessenz: Nicht der Süßstoff allein, sondern der Kontext entscheidet.


Dosis-Wirkung: Sucralose & Co.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass es eine Dosis-Wirkungs-Beziehung geben kann: Je mehr Süßstoff konsumiert wird, desto stärker zeigen sich Effekte auf Mikrobiom, Insulinsensitivität und Appetitregulation.(PMC Review 2023)

  • In kleinen Mengen sind viele Süßstoffe gut verträglich.

  • Bei hoher oder dauerhafter Zufuhr können sie Stoffwechselanpassungen fördern, die langfristig ungünstig sind.

Oder anders gesagt: Nicht die Substanz ist das Problem – sondern die Dosis und Gewohnheit.

Brechen Süßstoffe das Fasten?

Eine häufige Frage im Coaching-Alltag: "Kann ich während des Fastens Süßstoffe verwenden?“

Die Antwort: Es kommt darauf an.

  • Einige Süßstoffe (z. B. Sucralose) können bei empfindlichen Menschen eine Insulinantwort oder Appetitanstieg auslösen.

  • Andere, wie Stevia, scheinen dies weniger stark zu tun.

In der Praxis gilt: Während einer reinen Fastenphase besser darauf verzichten. In Ernährungsphasen können sie jedoch als Werkzeug dienen, um Übergänge zu erleichtern – z. B. den Ausstieg aus Zuckerkonsum.

Galactose & Insulin – ein unterschätzter „smarter Zucker“

Galactose verdient als Alternative zum herkömmlichen Zucker besondere Aufmerksamkeit, da sie anders verstoffwechselt wird und potenziell insulinunabhängig Energie liefern kann.

In einer tierexperimentellen Studie zeigte eine Galactose-reiche Diät eine Verbesserung der Insulin-Signalgebung in der Muskulatur sowie erhöhte Adiponectin-Spiegel – ein Marker für bessere Stoffwechsellage.(Int J Mol Sci 2022)

Beim Menschen deuten erste Untersuchungen darauf hin, dass Galactose die Insulinreaktion und den Blutzuckeranstieg im Vergleich zu Glukose reduziert.(PLoS One 2017)


Fazit: Galactose kann eine „Brücke“ sein – ein Übergangszucker, der hilft, den Stoffwechsel zu stabilisieren und die metabolische Flexibilität wiederherzustellen.

Süßstoffe und Stoffwechsel: Bewusster Umgang im Alltag

Süßstoffe und Stoffwechsel stehen in einem sensiblen Gleichgewicht. Während kleine Mengen helfen können, den Übergang von Zucker zu einer bewussteren Ernährung zu erleichtern, zeigen Studien, dass Dosis und Häufigkeit entscheidend sind.

Wird der Körper dauerhaft mit Süßstoffen konfrontiert, kann das natürliche Belohnungs- und Appetitsystem aus dem Takt geraten. Das Gehirn erwartet Zucker – bekommt aber keinen. Diese „metabolische Verwirrung“ kann Heißhungerattacken, kompensatorisches Essen oder Stimmungsschwankungen fördern.

Der Schlüssel liegt in einem strategischen Einsatz:

  • Süßstoffe bewusst und begrenzt verwenden.

  • Langfristig auf natürliche Alternativen wie Galactose oder Tagatose umsteigen.

  • Auf Signale des Körpers achten – Energie, Fokus, Stimmung.

So kann sich dein Stoffwechsel Schritt für Schritt neu kalibrieren, bis echte metabolische Flexibilität wiederhergestellt ist.

Fazit: Es geht nicht darum, Süßstoffe zu verteufeln – sondern sie gezielt als Werkzeug zu nutzen, bis dein Körper wieder selbst die Balance findet.

Bewusster Umgang mit Süßstoffen

Süßstoffe sind kein Feind, aber auch kein Lifestyle.Richtig eingesetzt, können sie ein Werkzeug sein – falsch eingesetzt, ein Hindernis.

Hier sind fünf Prinzipien, die sich in der Praxis bewährt haben:

  1. Ziel kennen. Süßstoffe sind eine Brücke, kein Dauerzustand.

  2. Dosis beachten. Mehr ist nicht besser.

  3. Kontext entscheiden lassen. Während Fastenphasen meiden, in Übergangsphasen gezielt einsetzen.

  4. Alternativen prüfen. Tagatose oder Galactose können helfen, metabolische Flexibilität wiederherzustellen.

  5. Beobachte dich selbst. Deine Energie, dein Fokus und deine Stimmung zeigen, ob dein Stoffwechsel stabil reagiert.


Coaching-Beispiel: Julia

Julia kam ins Coaching mit einer typischen Situation:emotionaler Stress, toxisches Arbeitsumfeld, zu viel Kaffee, zu wenig Schlaf – und der Griff zu Zucker, wann immer Energie fehlte.

Ein erster Versuch mit Süßstoffen half kurzfristig, das Verlangen zu kontrollieren. Doch das Zucker-Craving kam bald zurück. Warum? Die emotionale Ursache – Stress und Erschöpfung – war noch nicht gelöst.

Erst als wir die emotionale Ebene einbezogen und Galactose als sanften Übergangszucker nutzten, konnte Julia ihren Blutzucker stabilisieren und das Verlangen regulieren.


Süßstoffe kompensieren Symptome – nicht Emotionen. Heilung beginnt, wenn Körper und Psyche zusammenarbeiten.
Infografik - Süssestoffe richtig einordnen - Mythos vs. Fakt.
Mythos vs. Fakten

Fazit – Kein Verbot. Strategie.

Süßstoffe können ein Werkzeug sein – wenn man sie versteht. Sie sind kein Ersatz für Bewusstsein, sondern ein Übergang auf dem Weg zu echter metabolischer Flexibilität.

Der Schlüssel liegt nicht im Verzicht, sondern im richtigen Einsatz:

  • bewusst,

  • begrenzt,

  • individuell.

Kein Verbot. Strategie. Das ist der Ansatz von metFlex RESET. Hier mehr zum Thema metFlex RESET


Zitate


„Galactose caused an increase in hepatic glycogen and improved insulin sensitivity compared to glucose and fructose.“PLoS One 2017, journals.plos.org

„Je höher die Zufuhr, desto stärker die Effekte auf Mikrobiom und Stoffwechsel.“— Dosis-Wirkungs-Analyse 2023, PMC 10050372


Quellen:

  • Bondonno, N. P. et al. (2024). The association of sweetened beverage intake with risk of type 2 diabetes in an Australian population: A longitudinal study. Nutrients, 16(10). https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40383372

  • Yang, L. et al. (2022). Galactose in the Post-Weaning Diet Programs Improved Circulating Adiponectin Concentrations and Skeletal Muscle Insulin Signaling. Int. J. Mol. Sci., 23(18), 10645. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/36142131

  • Petersen, M. et al. (2017). Of the milk sugars, galactose, but not glucose or fructose, promotes hepatic glycogen and improves insulin sensitivity in non-diabetic rats. PLoS One, 12(2): e0172260.

  • Suez, J. et al. (2023). Effects of Non-nutritive Sweeteners on the Microbiome and Metabolic Health: Dose-Response Relationship. Nutrients, 15(4). https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10050372

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