Wechseljahre oder Schilddrüse - hohes Cholesterin und Symptomüberlappung
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Aktualisiert: vor 12 Stunden
Müdigkeit, Gewichtszunahme, Haarausfall, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Brain Fog oder trockene Haut: Viele Frauen erleben solche Beschwerden in der Perimenopause und bekommen schnell zu hören: „Das sind die Wechseljahre.“

Das kann stimmen. Aber bitte auch genauer hinschauen!
Denn viele Symptome der Wechseljahre überschneiden sich stark mit Symptomen einer Schilddrüsenunterfunktion oder einer autoimmunen Schilddrüsenerkrankung wie Hashimoto. Genau deshalb lohnt sich in dieser Lebensphase ein genauerer Blick. In einer Studie mit 148 perimenopausalen Frauen zeigte sich bei etwa jeder fünften Frau eine Schilddrüsendysfunktion. Die Studienautoren betonen, dass Schilddrüsensymptome menopausale Beschwerden nachahmen können und dadurch leicht übersehen werden.
Zusammenspiel Östrogen und Schilddrüse
Ein wichtiger Mechanismus dahinter ist das Zusammenspiel von Östrogen und Schilddrüsenhormonen. Östrogen kann das thyroxinbindende Globulin, kurz TBG, beeinflussen. TBG bindet Schilddrüsenhormone im Blut. Je mehr Hormone gebunden sind, desto weniger freie, aktive Schilddrüsenhormone stehen dem Gewebe zur Verfügung. Gerade in der Perimenopause, in der Östrogen stark schwanken kann, können sich deshalb auch Schilddrüsenwerte und Symptome verändern.
Besonders relevant ist das für Frauen, die bereits Schilddrüsenhormone einnehmen oder über eine Hormonersatztherapie nachdenken. Studien zeigen, dass orale Östrogene TBG und Gesamt-T4 stärker beeinflussen können als transdermale Anwendungen über Gel, Pflaster oder Spray. Dadurch kann sich bei Frauen mit Hypothyreose unter Umständen auch der Bedarf an Schilddrüsenmedikation verändern.
Die Rolle des Immunsystems
Auch das Immunsystem spielt eine Rolle. Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer. Neuere Reviews beschreiben, dass Östrogen und Östrogenrezeptoren an Immunregulation, Schilddrüsenfunktion und der Entstehung beziehungsweise Progression autoimmuner Schilddrüsenerkrankungen beteiligt sein können. Oft wird beobachtet, dass gerade in der Phase der Meri-Menopause und Menopause durch die hormonelle Verschiebung sich auch vermehrt Autoimmun-Erkrankungen entwickeln können.
Was bedeutet das praktisch?
Bei Beschwerden in der Perimenopause sollte nicht nur „an Hormone“ gedacht werden, sondern auch an die Schilddrüse. Sinnvoll kann eine umfassendere Diagnostik sein: TSH, fT3, fT4, TPO-Antikörper, Thyreoglobulin-Antikörper und je nach Situation weitere Werte. Besonders wichtig ist das, wenn es Schilddrüsenerkrankungen in der Familie gibt, bereits Hashimoto bekannt ist oder Symptome wie starke Kälteempfindlichkeit, ausgeprägte Müdigkeit, Muskelschwäche, trockene Haut oder unerklärliche Gewichtszunahme auftreten.
Gleichzeitig sollte der Blick nicht bei einem einzelnen Laborwert stehen bleiben. Schilddrüsenhormone, Sexualhormone, Immunsystem, Darmgesundheit, Nährstoffstatus, Schlaf, Stress und Entzündungsregulation greifen ineinander. Genau hier liegt der Wert eines ganzheitlichen Ansatzes: nicht vorschnell alles auf die Wechseljahre zu schieben, sondern die relevanten Systeme gemeinsam zu betrachten.
Schilddrüse, Wechseljahre und Cholesterin
Wichtig sind diese Erkenntnisse auch im Zusammenhang mit gestiegenen Cholesterin Werten. Eine Schilddrüsenunterfunktion kann auch hier eine Ursachen sein. Mehr dazu in diesem Blog Beitrag: Schilddrüse und Cholesterin - der unbekannte Zusammenhang
Quellen
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FAQ: Schilddrüse und Wechseljahre
Können Wechseljahre und Schilddrüsenprobleme ähnliche Symptome machen?
Ja. Müdigkeit, Gewichtszunahme, Schlafstörungen, Haarausfall, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme und trockene Haut können sowohl in der Perimenopause als auch bei Schilddrüsenfunktionsstörungen auftreten. Deshalb ist es wichtig, Beschwerden nicht vorschnell nur den Wechseljahren zuzuschreiben.
Warum spielt die Schilddrüse gerade in der Perimenopause eine Rolle?
In der Perimenopause schwanken die Sexualhormone, besonders Östrogen und Progesteron. Diese Veränderungen können indirekt auch Schilddrüsenhormone, das Immunsystem und entzündliche Prozesse beeinflussen. Dadurch können bestehende Schilddrüsenprobleme sichtbarer werden oder sich verändern.
Welche Schilddrüsenwerte sollte man prüfen lassen?
Neben dem TSH können je nach Situation auch fT3, fT4, TPO-Antikörper und Thyreoglobulin-Antikörper sinnvoll sein. Gerade wenn Symptome stark sind, Schilddrüsenerkrankungen in der Familie vorkommen oder bereits Hashimoto bekannt ist, lohnt sich ein umfassenderer Blick.
Kann eine Hormonersatztherapie die Schilddrüse beeinflussen?
Ja, vor allem orale Östrogene können das thyroxinbindende Globulin, kurz TBG, erhöhen. Dadurch kann sich die Menge freier Schilddrüsenhormone verändern. Bei Frauen, die Schilddrüsenhormone einnehmen, kann deshalb unter Umständen eine Anpassung der Dosierung nötig sein. Transdermale Anwendungen wie Pflaster oder Gel scheinen die Schilddrüsenwerte weniger stark zu beeinflussen.
Ist Hashimoto in den Wechseljahren häufiger ein Thema?
Autoimmune Schilddrüsenerkrankungen betreffen Frauen deutlich häufiger als Männer. Hormonelle Umbruchphasen wie Perimenopause, Schwangerschaft oder Stillzeit können das Immunsystem beeinflussen. Deshalb kann Hashimoto in dieser Lebensphase erstmals auffallen oder sich verstärken.
Was kann man selbst tun?
Wichtig ist zunächst eine gute Diagnostik statt reiner Symptombehandlung. Zusätzlich können Schlaf, Ernährung, Stressregulation, Bewegung, Darmgesundheit und ein guter Nährstoffstatus eine Rolle spielen. Besonders Vitamin D, Selen und Entzündungsmarker sollten individuell und laborbasiert betrachtet werden.
Ersetzt dieser Ansatz eine ärztliche Behandlung?
Nein. Dieser Artikel dient der Aufklärung und Sensibilisierung. Bei starken, neuen oder anhaltenden Beschwerden sollte immer eine ärztliche Abklärung erfolgen, besonders wenn bereits eine Schilddrüsenerkrankung bekannt ist oder Medikamente eingenommen werden.




